Europa,  Frankreich

Kurztrip in den Norden des Elsass – das Departement Bas-Rhin

Was tun an Ostern, noch dazu wenn der Wetterbericht nichts Gutes verheisst? – Wir entschliessen uns, in den Norden, des uns benachbarten Elsass zu fahren, denn den Süden kennen wir, den Norden des Elsass dagegen überhaupt nicht. Das wollen wir ändern, packen kurz entschlossen unsere Siebensachen und fahren los. Wir finden viele Burgen, einen grossen Wald und wunderschöne Dörfer mit viel Flair und natürlich Weinberge ohne Ende. Am Ende fragen wir uns, warum wir nicht schon früher hierher gefahren sind, in den Norden des Elsass.

Lembach und Château de Fleckenstein – unsere erste Station

Strasse in Lembach
Wirtshausschild in Lembach

Wir starten unsere Tour ganz im Norden an der Grenze zur Pfalz. Zuerst machen wir Halt in Lembach, einem kleinen Dorf im Herzen des Naturparks Nordvogesen. Es hat ca 1500 Einwohner und liegt im Sauertal, am Zusammenfluss der beiden Flüsschen Sauer und Heimbach. Auf der Suche nach einer Bäckerei durchstreifen wir den Ort und bewundern die Fachwerkhäuser. Die Bäckerei hat leider zu, also fahren wir weiter zur nahegelegenen (7 km) Burg Fleckenstein, der nach der Hochkönigsburg meist besuchten Burg im Elsass.

Château Fleckenstein im Wald

Die Burg thront hoch oben auf einem 100 m langen Felsplateau in 338 m Höhe. Sie galt als uneinnehmbare Festung bis sie höchstwahrscheinlich 1689 von französischen Truppen zerstört wurde. Ihre Aufgabe bestand über 400 Jahre darin, die Verbindung zwischen den Pfalzen Kaiserslautern und Hagenau zu schützen. Der Blick von oben soll wunderbar sein, wir haben das jedoch nicht ausprobiert, da die Sicht wetterbedingt nicht so gut war. https://www.fleckenstein.fr/de/

Der Parkplatz mit einem ausgewiesenen Teil für Wohnmobile (leider parken dort auch PKWs), ist etwas unterhalb der Burg gelegen. Um zur Burg zu gelangen kann man den Köhlerpfad entlang spazieren und so eine Menge über die Köhlerei, also wie früher Holzkohle gemacht wurde, erfahren. Der kurze Weg zur Burg ist so noch kurzweiliger. Ein Café und ein Souvenirladen runden den Besuch ab.

Hunspach – unsere zweite Station

Fachwerkhaus in Hunspach

Hunspach soll eines der schönsten Dörfer Frankreichs sein, also wollen wir uns das selbst ansehen. Und was so vollmundig angepriesen wird stimmt. Hunspach ist ein Dorf mit Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Ursprünge des 600-Seelen-Dorfes gehen auf die Schweden zurück, die in dieser Zeit hier die Herren waren. Kulturelle Einflüsse aus der Zeit, als das Elsass deutsch war, kann man auch finden.

Hof mit Eingang zum Fachwerkhaus

Dass die Hunspacher stolz sind auf ihr Dorf ist nicht zu übersehen. Die Häuschen sind in einem top Zustand, man hat beim Schlendern durch die Gassen den Eindruck, jeder Hausbesitzer will das Schönste im Dorf haben.

Evangelische Kirche mit Fachwerkhaus in Hunspach

Nach diesem Besuch fahren wir erstmal einkaufen. Im Nachbarort, Soultz-sous-Forêts, gibt es einen E.Leclerc-Supermarkt. Diese Supermarches sind erfahrungsgemäss gut sortiert und die Waren von hoher Qualität. Soultz-sous-Forêts sieht beim hindurchfahren ebenfalls nett aus und passt perfekt ins Bild, das wir bisher vom nördlichen Elsass bekommen haben.

Da wir erst am späten Vormittag losgefahren sind, müssen wir uns langsam Gedanken über unseren Schlafplatz machen. Wir orientieren uns daher in Richtung West und landen schliesslich in La-Petite-Pierre. Bevor wir jedoch dort sind, fahren wir auf kleinen Nebenstrassen und freuen uns an der wunderschönen Gegend, den in der Sonne leuchtenden gelben Rapsfeldern und den authentischen Ortschaften, die uns sehr gefallen, die wir aber nicht alle anschauen können.

La-Petite-Pierre – unsere dritte Station und Übernachtungsplatz

La-Petite-Pierre - Rue du Château

Auf dem Parkplatz der zur Burg gehört ist es möglich, kostenfrei zu übernachten. Der Platz ist ruhig und zumindest jetzt nicht überlaufen. Wir gönnen uns ein Abendessen bestehend aus den Köstlichkeiten, die wir eingekauft haben und bewundern den Sonnenuntergang. Ich entschliesse mich, noch einen kurzen Verdauungsspaziergang durch den Ort zu unternehmen und finde mich in einer vergangenen Welt wieder. Ich genieße die Stille und den Gesang der vielen Vögel in den umliegenden Wäldern. Sogar ein Marder begegnet mir auf meiner Tour.

Parkplatz beim Schloss La-Petite-Pierre, gut zum übernachten

Der Ort hat seinen Ursprung in einer Siedlung, die das Schloss Lützelstein umgeben hat. Die Burg Lützelstein, welche den Durchgang zwischen Lothringen und dem Elsass ermöglichte, wurde im dreizehnten Jahrhundert auf einem Bergsporn, weithin sichtbar, erbaut und 1684 vom Marquis de Vauban modernisiert. Heute ist die Verwaltung des Naturparks Nordvogesen in der Burg, die einem Schloss ähnelt, untergebracht. Die Burg kann auf eigene Faust besichtigt werden, ob man auch die Innenräume besichtigen kann, entzieht sich unserer Kenntnis: an Ostern war alles geschlossen. Interessant und beeindruckend ist es aber auch so.

Schloss Lützelschlag - Aussenansicht
Die Burg Lützelstein
Schloss Lützelschwab mit Umgebung

Dieser alte Teil von La-Petite-Pierre lässt erahnen wie es früher hier ausgesehen hat. Die Häuser sind grösstenteils noch bewohnt, viele sind jedoch stark renovierungsbedürftig. Es gibt zwei Restaurants und einige kleine Souvenirläden, die sogar am Ostersonntag geöffnet sind. Der Parkplatz mit der Touristinformation ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen.

Die Felsenhäuser von Graufthal – unsere vierte Station

Felsenhäuser von Graufthal
Holzlager und  Platz zum Wäsche trocknen
Felsenhäuser in Graufthal
Haus Ottermann mit Garten

Das nächste Highlight, die Felsenhäuser in Graufthal, nur wenige Kilometer weiter, sind es wert, angeschaut zu werden. Dicht gedrängt an den Felsen, auf einem natürlichen Felsvorsprung, kleben die Häuschen regelrecht an der Felswand. Dieser Felsvorsprung wurde im Mittelalter vermutlich von der Benediktinerabtei des Ortes als Lager benutzt. Die heute dort stehenden Häuser wurden am Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet. In den Häusern lebten drei Familien, die letzte Bewohnerin Catherine Ottermann verstarb mit 82 Jahren 1958. Sie lebte zusammen mit ihrer älteren Schwester ihr ganzes Leben lang in dem Haus und das ohne fliessendes Wasser und Strom. Zur Familie gehörten ursprünglich acht Kinder, die zusammen im von aussen zugänglichen Dachboden schliefen. Wenn man das heute sieht, ist das kaum vorstellbar. Über einem der Häuser befindet sich ein weiteres Haus, man vermutet, dass es sich dabei um eine frühere Streichholzfabrik handelt. Dieses Haus kann nicht besichtigt werden.

Rocher de Dabo – unsere fünfte Station

Rocher de Darbo mit unserem Obelix

Nach Besichtigung der Felsenhäuser wenden wir uns nach Süden, ich möchte unbedingt noch den Odilienfelsen ansteuern. Unterwegs fahren wir auf kleinen Strassen durch dichte Wälder, Berge und Täler und immer wieder Dörfer und kleine Städtchen, die uns begeistern.

Bei dem Rocher der Dabo oder Dagsburgerfelsen handelt es sich um einen Kuppelfelsen mit Kapelle und sensationeller 360° Grad Aussicht. Leider fängt es ausgerechnet an zu regnen als wir oben sind und da es auch noch stark windet, die Aussicht auch nur noch zu erahnen ist, steigen wir gar nicht erst aus. Allerdings hat der kurze Besuch genügt, um uns erahnen zu lassen, wie es bei optimalem Wetter hier aussieht. Ein Grund nochmals hierher zu kommen.

https://www.mosl.fr/de/fiche-sit/naturerbe/f847000524_dagsburger-felsen-dabo-de

Der Mont Sainte-Odile – unsere sechste Station

Das Kloster mit dem wunderbaren Garten

Der Mont Sainte-Odile, der Heilige Berg des Elsass, ist 753 m hoch. Ganz oben befindet sich ein Hotel in einem ehemaligen Kloster, das von der Heiligen Odile gegründet wurde.

Die Legende der Heiligen Ottilie

Odile lebte von 662 bis 720 und wurde der Legende nach blind geboren. Vom Vater verstossen, wuchs sie in einem Kloster in Burgund auf. Die Legende erzählt weiter, sie habe am Tag ihrer Taufe das Augenlicht erlangt. Ihr Bruder Hugo holte sie nach Hause zurück, wo sie ihr Vater Eticho mit einem jungen Fürsten verheiraten wollte. Odile jedoch hatte ihr Leben in den Dienst Gottes gestellt und flüchtete nach Arlesheim in der Schweiz. Dort versteckte sie sich in der Eremitage vor den Schergen des Vaters, die sie verfolgten. Als diese Odile ergreifen wollten, verschloss sich der Höhleneingang vor ihr. Herzog Eticho war von diesem Wunder derart beeindruckt, dass er Odile das Schloss Hohenburg mit all seinen Einkünften überliess. Daraufhin gründete Odile dort ein Kloster.

Grandiose Aussicht in die Rheinebene
Die Aussicht ist grandios
Klosterturm auf dem Felsen erbaut

Heutzutage ist der Berg beliebtes Ausflugsziel und Wallfahrtsstätte zugleich und auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Aussicht bis Straßburg und über die Wälder der Vogesen beeindruckt ebenso wie die gesamte Anlage.

Das Kloster St. Odile - Aussenansicht

Den Berg umgibt die sogenannte Heidenmauer, ein um 1000 v. Chr. entstandener Befestigungsring, zehn Kilometer lang, drei Meter hoch und oft über zwei Meter breit. Diese ohne Mörtel zusammen gebaute Sandsteinmauer umschloss das Gebiet der dort lebenden Kelten und schütze diese vor Angriffen. Natürlich ist der Berg beliebtes Wandergebiet, da von hier aus viele Wanderungen möglich sind.

Der Hof mit der Aussicht auf die Vogesen von St. Odile

Da es nun schon Abend ist, fahren wir nicht mehr nach Hause, sondern machen uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Wir werden in der kleinen Gemeinde Nothalten fündig. In diesem kleinen Weindorf hat ein Winzer hinter seinem Haus einen sehr schönen Stellplatz für Wohnmobile errichtet. Ganz super mit Strom, Wasser und Entsorgungsmöglichkeit. Für 10 Euro die Nacht kann man nicht meckern. Wir gehen dann noch im einzigen kleinen Restaurant des Ortes essen und verbringen eine ruhige Nacht bevor es am nächsten Tag endgültig über einen Teil der Route de Vin nach Hause geht.

https://vins-wassler.com/parking-camping-cars

Fazit:

Zwei Tage reichen definitiv nicht, um die vielen tollen Ausflugsziele, Dörfer und Burgen anzuschauen., die der Norden des Elsass bietet. Will man auch noch den qualitativ hochwertigen Elsässer Wein probieren, erst recht nicht. Die Zeit reicht, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Ist die Anfahrt wie bei uns jedoch nicht lang, lohnt es sich, sich immer wieder kleine Ziele zu setzen und wiederzukommen.

Wir machen das auf jeden Fall. Und fahren wie immer Hin und Zurück.

*enthält keine bezahlte Werbung

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